Gorillaschädel mit Hand
Eine Hand berührt den Abguss eines Gorillaschädels.

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Senckenberg Museum mit neuem Angebot für Menschen mit Sehbehinderung

Fußbodenleitsystem, Audioguides und Tastobjekte ermöglichen neue Ausstellungerlebnisse


Das Görlitzer Naturkundemuseum bietet ab dem 19. August sehbehinderten Besucher:innen die Möglichkeit eines barrierefreien Museumsrundgangs auf allen Etagen. Ein Audioguidesystem führt sie zu Stationen, an denen Abgüsse von Tieren, Schädeln oder Fellen ertastet oder Gerüche erraten werden können. Ein Fußbodenleitsystem weist blinden Besucher*innen den Weg. Finanziert wurde die Maßnahme über das Programm „Barrierefreies Bauen – Lieblingsplätze für alle“ des Landkreis Görlitz und den Aktionsplan II „Eine Welt in Bewegung“ der Leibniz Gemeinschaft. 

Schon mal einem Wolf auf den Pelz gerückt, einem Mammut auf den Zahl gefühlt oder einem Gorilla die Hand gereicht? Im Görlitzer Naturkundemuseum ist dies und noch viel mehr ab sofort möglich. Dort, wo das Berühren sonst eher nicht so gern gesehen wird, ist das „Begreifen“ ausgewählter Objekte nun ausdrücklich erwünscht.

„Schon lange hatten wir den Wunsch, unsere Ausstellungen inklusiver zu gestalten, sie für sehbehinderte Gäste erlebbar zu machen, die bisher nur eingeschränkt von einem Besuch profitieren konnten“, erklärt Museumsdirektor Willi Xylander, der mit seinen Mitarbeiter:innen die neuen Angebote über Fördergelder des Freistaates Sachsen und mit Bundesmitteln umsetzte.

„Nach Gesprächen mit Inklusionsspezialisten entwickelten wir einen rund anderthalbstündigen Rundgang durch die Dauerausstellungen mit insgesamt 20 Tast-, Riech- und Hörstationen. So machen wir fast alle Themen unserer Ausstellungen – vom Vivarium bis zum Regenwald – erlebbar“, schwärmt Xylander.

Dabei war es den Ausstellungsmacher:innen besonders wichtig, dass blinde Besucher auch ohne Begleitung durch die Ausstellungen gehen können. Der Rundgang beginnt vor dem Gebäude mit entsprechenden Markierungen an den Handläufen an der Eingangsrampe. Im Museum erhalten die Besucher an der Kasse kostenlos den blindengerechten Audioguide. Das kleine Gerät wird um den Hals gehängt und schon kann der Museumsrundgang beginnen. Denn die Texte starten an bestimmten Markierungen automatisch und beschreiben den Nutzern den Rundgang sowie die Objekte, die sie ertasten oder „erriechen“ können. Unterstützt werden die Texte durch ein Bodenleitsystem, das durch Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfelder mit Noppenmuster Besucher:innen, die einen Taststock nutzen, den Weg weist.

Die Tastobjekte nehmen Bezug auf ausgewählte Ausstellungsobjekte und -themen, die einen besonderen Erlebnis- und auch Erkenntniswert haben. Sie entstanden in enger Absprache mit einer Modellbaufirma, die auf Museumsobjekte spezialisiert ist und höchste Naturtreue garantiert. Die Benennung der Objekte erfolgt in Blindenschrift und zusätzlich mit Profilschrift, also erhabenen Buchstaben, da nicht jeder Sehbehinderte Blindenschrift lesen kann.

„Selbstverständlich stehen die Objekte all unseren Besucher:innen zur Verfügung und werden schon seit ihrer Installation eifrig genutzt. Schließlich sind wir Menschen „fühlende“ Wesen und ergänzen unsere optischen Eindrücke gern durch das Begreifen“, erläutert Xylander. Vielleicht lassen sich auf diese Weise auch Ängste abbauen, schmunzelt der Museumsdirektor und berührt das Modell einer Würgeschlange: „Fühlt sich gut an!“

Das Audioguidesystem und die Taststationen werden der Öffentlichkeit am 18. August um 16 Uhr im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz vorgestellt. Dazu ist der Eintritt frei.

 

Mehr erfahren:

http://lieblingsplätze.landkreis.gr

https://www.leibniz-forschungsmuseen.de/aktionsplan/eine-welt-in-bewegung-aktionsplan-ii