Grasland

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Grasland in Gefahr

Neuer Ansatz zur Bekämpfung der globalen Graslanddegradierung gefordert


Graslandschaften sind weltweit Oasen biologischer Vielfalt und stellen eine Vielzahl von Leistungen für den Menschen bereit – darunter Nahrungsmittel, Wasserversorgung und die Speicherung von Kohlenstoff. Die Zukunft dieser Ökosysteme sieht jedoch düster aus, sollten keine Maßnahmen ergriffen werden, um die Degradierung der Grasländer aufzuhalten und ihre Renaturierung zu fördern, so die Autor*innen einer Studie im Fachjournal „Nature Reviews Earth & Environment“. Ein internationales Expert*innenteam, unter der Leitung der Universität Manchester, schlägt in der kürzlich erschienenen Publikation eine Reihe von Strategien vor, um die weltweite Zerstörung von Graslandschaften zu stoppen und ihre Wiederherstellung zu fördern.

Das Forscher*innen-Team, unter ihnen Dr. Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt, hebt hervor, dass die Graslandschaften der Welt – die etwa 40 Prozent der Landoberfläche der Erde und rund 69 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnehmen – durch die fortschreitende Degradierung stark bedroht sind. Dennoch werden Graslandflächen in den Programmen für nachhaltige Entwicklung bislang weitgehend ignoriert. Die Autor*innen zeigen auf, dass dies eine große Bedrohung für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt darstellt, die auf Grasland angewiesen sind und diese Landschaften auf unterschiedliche Weise in ihre Kultur einbinden –beispielsweise für die Nahrungsmittelproduktion, als Brennstofflieferant oder als Quelle für medizinische Produkte.

Das Expert*innen-Team aus den wichtigsten Graslandregionen der Welt schlägt eine Reihe von Punkten zur Bekämpfung der Degradierung sowie zur Förderung der Renaturierung vor. Zu diesen Strategien gehören die verstärkte Anerkennung von Grasland in der globalen Politik, die Entwicklung standardisierter Indikatoren für die Degradierung, die Nutzung wissenschaftlicher Innovationen für eine wirksame Renaturierung auf regionaler und naturräumlicher Ebene sowie die Verbesserung des Wissenstransfers und des Datenaustauschs bezüglich der Erfahrungen mit Renaturierungsmaßnahmen. Die Autor*innen warnen zudem, dass der fortschreitende Klimawandel das Problem verstärkt und die Umsetzung der Strategien immer dringlicher wird.

Erstautor der Studie Prof. Richard Bardgett von der Universität Manchester erläutert: „Die Degradierung von Grasland stellt eine große globale Herausforderung dar, die wir bewältigen müssen, wenn wir die zentralen Ziele der Biodiversitätsagenden wie die Aichi-Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) oder die ‚Sustainable Development Goals‘ (SDGs) der Vereinten Nationen erreichen wollen. Unter den Herausforderungen befinden sich so entscheidende Punkte, wie die Wiederherstellung und die nachhaltige Nutzung terrestrischer Ökosysteme, die Bekämpfung von Hunger und Armut und die Eindämmung des globalen Klimawandels.“

Die Eindämmung und Umkehrung der Landverödung ist eine der größten Herausforderungen bei der Verwirklichung der UN-Ziele. „Die Bekämpfung der Degradierung ist ein zentrales Anliegen der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen (2021-2030)“, ergänzt Manning und fährt fort: „Einfach ausgedrückt: Wenn Grasland nachhaltig bewirtschaftet werden soll, dann muss sowohl die globale, als auch die regionale Politik umdenken, um den Wert von Graslandschaften für verschiedene Ökosystemleistungen zu würdigen und Ziele für deren Schutz, Wiederherstellung und nachhaltige Bewirtschaftung festzulegen.“

Die Autor*innen schlagen einen standardisierten Ansatz zur Bewertung der Grünlanddegradation und -wiederherstellung vor, der auf einem gemeinsamen Verständnis der Interessengruppen hinsichtlich potenzieller Kompromisse bei Ökosystemleistungen in degradierten und wiederhergestellten Grünlandflächen basiert. Sie zeigen, wie ihr Ansatz in verschiedenen Situationen angewendet werden kann – von landwirtschaftlich genutztem Grünland in Europa bis zu natürlichem Grasland in ariden und semiariden Regionen Ostafrikas. Dabei werden Renaturierungsoptionen identifiziert, die den Bedürfnissen verschiedener Interessengruppen, wie Landwirt*innen oder Hirt*innen, Naturschützer*innen und Tourist*innen, am besten gerecht werden.

Dr. Urs Schaffner von CABI Schweiz, der sich auf Lösungen zur Bekämpfung invasiver Gehölzarten in Graslandschaften in Ostafrika spezialisiert hat, erklärt: „Während wir anhand konkreter Fallstudien zeigen, wie sich unser standardisierter Ansatz anwenden lässt, sind weitere Studien erforderlich, um diesen Ansatz unter standortspezifischen Bedingungen auf lokaler und übergeordneter Ebene zu testen.“

Laut der Studie sind außerdem weitere Arbeiten nötig, um die unterschiedliche Wahrnehmung von Graslandschaften in der Gesellschaft und die Gründe für die Vernachlässigung von Grasland in der Nachhaltigkeitspolitik besser zu verstehen. Auf dieser Basis können vielversprechende neue Methoden zur Bewertung der Degradierung und Wiederherstellung von Grasland entwickelt und getestet werden. Ökologisches Wissen ließe sich so für eine erfolgreiche Wiederherstellung der Landschaften nutzbar machen, so das Forscher*innen-Team. In Großbritannien und in weiten Teilen Westeuropas werde beispielsweise ein großer Teil des Graslandes intensiv für die Viehhaltung genutzt. Eine intensive Nutzung hat aber negative Auswirkungen auf die Biodiversität und auf verschiedene Ökosystemleistungen von Grasland.

„Unsere wenigen verbliebenen artenreichen Graslandflächen beherbergen viele seltene Tiere und Pflanzen, binden Kohlenstoff und halten Hochwasser zurück, aber sie sind durch Bauprojekte, intensive Landwirtschaft, Umweltverschmutzung und auch Aufforstungen bedroht“, fügt Manning hinzu.

Die Autor*innen argumentieren, dass Graslandschaften und die von ihnen erbrachten Leistungen in der Nachhaltigkeitspolitik einen gleichen Rang wie Wälder erhalten sollten. Sie hoffen, dass ihre Empfehlungen dazu beitragen werden, dass der Schutz von Grasland auf der bevorstehenden COP 15-Konferenz im Oktober eine größere Rolle spielt. „Wir wünschen uns, dass unsere Studie das Bewusstsein für die weltweite Graslandkrise und die akute Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verhinderung der Graslanddegradierung und für eine erfolgreichere Renaturierung schärft. Nur so können die zahlreichen von Graslandschaften gebotenen Nutzleistungen für Mensch und Tier erhalten bleiben,“ resümiert Manning.

Publikation: Bardgett, R.D., Bullock, J.M., Lavorel, S. et al. Combatting global grassland degradation. Nat Rev Earth Environ (2021). https://doi.org/10.1038/s43017-021-00207-2

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Graslandschaften nehmen etwa 40 Prozent der Landoberfläche der Erde und rund 69 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein. Foto: Senckenberg

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Die Zukunft dieser Ökosysteme sieht schlecht aus, sollten keine Maßnahmen ergriffen werden, um die Degradierung der Grasländer aufzuhalten und ihre Renaturierung zu fördern. Foto: Senckenberg

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Eine über Jahrzehnte andauernde Überweidung hat das Grasland in Kenia massiv geschädigt. Foto: Richard Bardgett

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Bodenerosion sowie Verlust der Biodiversität und Ökosystemleistungen sind die Folgen dieser Bewirtschaftung. Foto: Richard Bardgett