Sonderausstellung Wilder Wald am großen Fluss
Morgenstimmung an der Elbe im Biosphärenreservat
Niedersächsische Elbtalaue © conserver/stock.adobe.com

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Wilder Wald am großen Fluss


Die Ausstellung der Loki-Schmidt-Stiftung Hamburg stellt Lebensräume der Flussaue vor, deren strombegleitenden Auwälder im Mittelpunkt stehen. Halb Wald, halb Fluss sind sie artenreicher Lebensraum für viele spezialisierte Tiere und Pflanzen, die die Besucher in Dioramen, hinter Gucklöchern und Klappen entdecken können. Tierstimmen und eine Bilderschau erzeugen dazu eine passende Atmosphäre.

Diese Wanderausstellung gehört zum Forschungsverbund MediAN, an dem auch Wissenschaftler*innen des Senckenberg Museums beteiligt sind. Sie gehen am Beispiel der Mittelelbe der Frage nach, welche Ökosystemdienstleistungen die Wälder der Hartholzaue übernehmen.

Naturnahe Hartholz-Auenwälder zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. In ihnen wohnt eine Vielzahl seltener und äußerst anpassungsstarker Pflanzen und Tiere. Aber auch für den Menschen hat der Hartholz-Auenwald eine wichtige Bedeutung. Er schützt als Retentionsraum vor Hochwasser und trägt zum Klimaschutz bei, in dem seine Böden und Vegetation große Mengen Kohlenstoff aufnehmen. Zudem bieten die mitunter urwaldähnlichen Stieleichen-Ulmenwälder mit ihren Tümpeln und Altwässern Orte für ein besonderes Naturerlebnis. Trotz seiner hohen Bedeutung gehört die Hartholzaue zu den bedrohtesten Lebensräumen in Mitteleuropa. Diese Auwälder finden sich heute nur noch in Resten fragmentarisch und galerieartig. Rund 1 Prozent der ursprünglichen Auwälder Deutschlands sind noch vorhanden.

Übergeordnetes Ziel der Forschungsarbeiten in MediAN ist es, die den Ökosystemleistungen von Hartholz-Auenwäldern zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen und die räumliche und zeitliche Variabilität der Leistungen zu erfassen. Gemeinsam arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Gebieten der Pflanzenökologie (Universität Hamburg), der Bodenkunde (Universität Hamburg), der Bodenzoologie (Senckenberg Gesellschaft Görlitz), der Naturschutzforschung (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig) sowie der Landschaftsökonomie (TU Berlin) daran zu beantworten, welche Komponenten der Biodiversität in Hartholz-Auenwäldern an der Bereitstellung von Ökosystemleistungen maßgeblich beteiligt sind und wie die Leistungen der Natur bewertet werden können. Im Bereich der Unteren Mittelelbe werden für Vegetation und Boden Untersuchungen zur Biodiversität und zum Kohlenstoff-Haushalt in unterschiedlich alten Hartholz-Auenwäldern der rezenten Aue, der qualmwasserbeeinflussten Altaue sowie in der Aue der Nebenflüsse durchgeführt, wobei der prägende Standortfaktor Wasserhaushalt ebenfalls analysiert wird. Zur Quantifizierung der Beeinflussung der Hochwasserretention durch unterschiedlich alte Hartholz-Auenwälder wird deren Vegetationsstruktur analysiert, um Rauigkeitswerte abzuleiten und für hydraulische Modellierungen aufzubereiten. Schließlich erfolgen eine Hochskalierung sowie eine ökonomische Bewertung der Ökosystemleistungen der Hartholz-Auenwälder.

Die Loki Schmidt Stiftung kauft, gestaltet und pflegt seit 40 Jahren Grundstücke für den Naturschutz, damit selten gewordene Pflanzen und auch Tiere dort überleben können. Viele praktische Projekte zum Schutz
der Natur in Hamburg und ganz Deutschland haben die Stiftung bekannt gemacht. Mit der Aktion »Blume des Jahres« rückt die Loki Schmidt Stiftung seit 1980 in jedem Jahr einen selten gewordenen Lebensraum in
den Fokus und gibt der Natur damit eine Stimme.

Forschungsprojekt MediAN